Heilpflanzen Grundwissen für jeden Tag

Welche Heilpflanzen bewirken was? Wie kann man sie richtig aufbereiten? Heidi Tisch gibt uns einen kleinen Einblick in ihr großes Pflanzenwissen:

 

Je nach Jahreszeit, persönlichen Bedarf, sind Kräuter eine natürliche Wahl und in jeder Altersgruppe, bei jedem körperlichen wie seelischen Ungleichgewicht eine verlässliche Hilfe für uns. Gerade im Sommer, wenn ich sie sammle und verarbeite wird mir das immer mehr bewußt. Durch die vielen verschiedenen Herstellungsmöglichkeiten, Experimenten, langjährigen Anwendungen spürt man immer mehr, was für die verschiedenen Befindlichkeiten gut ist, wobei dies auch immer wieder zu neuen Zusammensetzungen und Auszugsmaterialien führt. Wir bleiben ja nicht immer gleich, werden nicht immer gleich gefordert oder belastet, unsere Vorlieben ändern sich uuu…sonst wärs langweilig. Unsere Sicht auf die Pflanzen ändert sich, wir trauen uns selbst zu entscheiden, auch wenn so manche „Propheten“ uns glauben machen wollen, bei z.B. jeden Bauchweh immer das gleiche hilft. Für mich ist der Mensch und seine momentane Verfassung das Wichtigste um ihn etwas zuzubereiten. Das geht in der Familie, unter Freunden am einfachsten und wirkungsvollsten. Die Kinder, Enkelkinder, überhaupt junge Menschen zu ermutigen, selbst tätig zu werden, lernen und hinterfragen, was uns so alles diktiert wird. Wir entscheiden, wie wir uns durch unser Leben bewegen und Kräuter unterstützen uns dabei sanft und nachhaltig. Haben wir Beschwerden, helfen sie den Zustand des Ungleichgewichts wieder herzustellen. Geht es uns gut, unterstützen sie uns dabei, dass es so bleibt.

Die verschiedenen Arten der Zubereitung und welche Inhaltsstoffe damit extrahiert werden.

Die Volksheilkunde:
Ist mir nach vielen Jahren der Anwendung und des Lernens die vertrauteste und liebste. Viele erfahrene Kräuterkundige kehren meist zu dieser einfachen Methode zurück, denn alles (außer den wissenschaftlichen Untersuchungen) ist ja schon Jahrtausende bekannt und man verwendet was vorrätig ist. Was heute immer zu beachten ist, woher kommt die Pflanze, konnte ich sie in unbelasteten Gebieten ernten oder kann ich bei zugekauften sicher sein, dass darauf geachtet wurde. Die Mengenangaben kann ich selbst bestimmen, ob TL, EL, Gramm, Tasse oa.., je nachdem, wie viel ich zubereiten will. Kräuter sind unglaublich in ihrer Fähigkeit unseren Körper zu unterstützen und egal, wie wir sie verwenden, sie sind für uns da. Medikamente sind oft lebenswichtig, haben aber auch kurz-oder langfristige Nebenwirkungen. Deshalb sollten wir erst abklären, ob Pflanzen für unsere Wehwehchen genügen oder ob wir sie begleitend nehmen können. Nebenwirkungen von Kräutern sind selten. Voraussetzung ist, man kennt sie und weiß mehr über sie. Allein das sammeln, der Aufenthalt in der Natur und dann noch köstliche und gesunde Zubereitungen daraus zu machen, unterstützen schon unser Wohlbefinden.

Kräuter, von denen bekannt ist, dass sie keine Nebenwirkungen bei richtiger Dosierung haben und täglich verwendet werden können sind:

Vogelmiere, Löwenzahn, Hafer, Rose, Veilchen, Alfalfa, die Pilze Maitake und Shiitake ua. Sie sind nahrhafte Kräuter, die in tägliche Tee`s eingebaut werden können, ich wechsle immer ein bischen.

Sanfte Stärkungsmittel gehören oft auch dazu:

Klettenwurzel, Eibisch, Hafer, Ashwagandha, (hilft gut bei bleiernder Müdigkeit) Weißdorn, vor allem um Herz und Kreislauf zu stärken, Königskerze, Wegerich, Himbeere, Rotklee… sie alle stärken speziell verschiedene Organe, allgemein unser Wohlbefinden und geben Kraft.

Tonisierende und stärkere Stärkungspflanzen, die Tage bis Monate verwendet werden können:

Ginseng, Taigawurzel, Rosenwurzwurz, Meisterwurz, Tragant, Löwenzahn, Ingwer, Gingko, Echinacea, (immer vorbeugend) Herzgespann, Tulsi, Süßholzwurzel ua…Sie sehen, es sind viele Wurzeln unter diesen.

Kräuter, abgestimmt auf akute Bereiche, beschränkt auf kurze Zeit, nicht länger als 2 Wochen:

Schwarznuss, Wacholder, Myrrhe, Flechten, Bärentraube, Wermut ua..

Nahrhafte Kräuter, je nach Auszugsmethode können wir uns da viele Vitamine und Mineralien holen und so die Nahrung aufwerten, Ungleichgewichte des Körpers ausgleichen. Die bekanntesten und immer in der Nähe :

Vogelmiere, Löwenzahn, Melde, Brennnessel, Veilchen….

Nahrhafte Stärkungsmittel:

Klette, Weißdorn, Meisterwurz, Hafer, Rotklee, Himbeeren…So viel wäre zu diesen Pflanzen zu schreiben, das übersteigt den Artikel. Viele Monographien finden Sie in den verschiedenen Magazinen.

Wasser Zubereitungen:

Die Tee-und Infus Zubereitung ist meist die erste, die man in der Kräuterkunde lernt und jeder kennt sie aus der Kindheit. Der Kamillentee für Bauchweh und Beruhigung, der Holunderblütentee bei fiebrigen Erkrankungen usw.. Sie sind einfach zu machen und haben eine Vielzahl von Anwendungen. Kaltes oder heißes, kochendendes Wasser wird verwendet um die verschiedensten Inhaltsstoffe aus der Pflanze zu holen. Wasser zieht mehr Stoffe aus der Pflanze, als alle anderen Lösungsmittel. Kaltes Wasser zieht folgende Inhaltsstoffe aus der Pflanze: Säuren, Flavonoide, Glycoside, Schleimstoffe, Mineralien, Polysaccharide, äth. Öle, (kurzfristig). Inge Kogler zeigte mir als Erste, warum man den Tee in der Ziehphase zudeckt. Am Deckel bleiben die äth. Öle hängen und die sollte man nicht entschwinden lassen, sondern in den Tee schütteln. Alle Schleimdrogen, wie Beinwell, Eibisch, Seifenwurzel oder Pflanzen mit wertvollen, flüchtigen Bestandteilen wie in Pfefferminze und Kamille, weiche Blätter und Blüten lassen sich gut in kaltem Wasser ausziehen. Heißes Wasser bringt Pflanzengewebe zum Schwellen und die Pflanzenzellen brechen besser auf, dies führt zur Aufschlüsselung der Säuren, Flavonoide, Glycoside, Schleimstoffe, Polysaccharide und der äth. Öle. Weniger wohlschmeckende Bestandteile wie Tannine, Alkaloide, Bitterstoffe kann es nach längerer Ausziehzeit zum abklingen bringen. Heißt auch, Warmwasser Infus entwickeln sich mit der Zeit. Ich mache mir meine Tee`s die letzten Jahre immer öfter abends und erwärme sie morgens (mind.1L) um alle Inhaltsstoffe aus den Pflanzen zu holen. Heiße Auszüge werden oft mit getrockneten Kräutern gemacht. Inzwischen sammle ich für den Winter je nach Jahreszeit alles in einen Sack, trockne und verwende sie so gemischt im Winter. Die stärkenden Frühlingsblüher, den heißen Sommer und die Immunstärkenden Pflanzen, Beeren und Wurzeln des Herbstes. In der Regel werden Blätter, Blüten, aromatische Pflanzen eher kalt ausgezogen, härtere und dichtere Materialien wie Rinden, Wurzeln, Samen, Früchte werden heiß überbrüht, manchmal auch kurz gekocht. Einziger Nachteil der wässrigen Zubereitungen ist die schnelle Verderblichkeit. Einige Pflanzen schmecken schon nach kurzer Zeit nicht mehr so gut. Will man eine Tasse wohlschmeckenden Tee, wird nicht so viel Kraut genommen und nur kurz ausgezogen, will man einen nährenden oder will man heilende Tee`s zerkleinert man die Drogen gut und gibt auch mehr davon ins Wasser.

Schwangerschaftstee, pflegend und geburtsvorbereitend:Je 1Teil Himbeerblätter und Brennnesselblatt (zeitig im Frühjahr gepflückt), ¼ Teil Ingwerwurzel, mit kochendem Wasser überbrühen und 15-30 Min. ziehen lassen, für einen kräftigen Tee über Nacht ziehen lassen.

Ein Dampfbad fürs Gesicht, öffnet die Poren, beseitigt Unreinheiten und belebt die Haut:

Je 1 Teil (z.B. ¼ Tasse)

  • Ringelblumen,
  • Kamille,
  • Rosenblätter,
  • bei unreiner Haut auch Salbei dazu,
  • 1EL Lavendel.

Gut mischen, in eine große Schüssel und mit 3-4L kochendem Wasser überbrühen, das Gesicht darüber halten und Kopf und Schüssel mit einem großen Tuch abdecken und keinen Dampf entweichen lassen. Auf die Temperatur achten, es darf nicht zu heiß sein. 10-15Min., sofort mit kaltem Wasser nachspülen, damit sich die Poren schließen.

 

Süsse Zubereitungen:

Glycerin als Auszugsmaterial verwende ich schon seit 12 Jahren, da hab ich es bei dem damaligen Chef der Firma „Phyto-Pharma“ in einer Ausbildung gelernt. Ich mache sie immer noch so, 70% pflanzliches, hochwertiges Glycerin und 30% von unserem Quellwasser. Bei sauberer Arbeit und über 90% Glyceringehalt sind diese Zubereitungen mind. 2 Jahre haltbar. Etwas Alkohol geb ich nur dazu, wenn ich einen Inhaltsstoff brauche, der nur mit Alkohol ausgezogen wird, geh aber immer sparsam damit um. Diese Zubereitungen nehm ich vermehrt für die Kosmetik, aber auch in D1 zur Einnahme. Weitere Auszugsmaterialien sind Honig, ein altbewährtes Mittel, für mich vor allem für alle Erkältungskräuter und zur Stärkung, Sirupe macht meine Tochter, Sauerhonige gabs zu Hause immer fürs Immunsystem, Pillen aus Honig, Kakao, Kokos und den entsprechenden Pflanzenpulvern sind eine schmackhafte Abwechslung in der Einnahme und ist bei Kindern sehr beliebt. Verreibungen mit Fruchtzucker machen frische oder getrocknete Kräuter mindestens 1 Jahr lang haltbar und sind gut für Kinder und ältere Menschen, für alle, die keinen Alkohol mögen, dürfen. Glycerin ist nicht so effektiv wie Alkohol als Auszugsmaterial, zieht trotzdem Bitterstoffe, Glycoside, Polysaccharide, Saponine, Gerbstoffe und Vitamine und in geringerem Maße auch Alkaloide und äth. Öle. Glycerin ist auch bei Diabethes ungefährlich. Honig enthält auch Wasser, deshalb werden auch die wasserlöslichen Inhaltsstoffe in Honig ausgezogen. Außerdem ist es möglich in alle Zubereitungen Wasser,Alkohol, Essige oa.. in die süßen Zubereitungen zu geben. Pflanzen die als Nahrungsergänzung und Kraftgeber gut in Honig, bzw. Sauerhonig sind, sind Klette, Meisterwurz, Rosenwurzwurz, Brennnessel, Weißdorn (als Hauptpflanze mit allen Teilen wie Blüten, Blätter und Beeren) in einem schmackhaften „Herzhonig“,mit Melisse, Herzgespann und, Himbeeren, Rotklee ua.. In Glycerin kann man wie in Wasser und Alkohol alle Pflanzen in frischen oder getockneten Zustand ausziehen, bei sehr feuchten Pflanzen ev. Die Wasserzugabe etwas reduzieren.

Ein Bäuchleinglycerin bei Problemen mit der Verdauung mit Völlegefühl, Blähungen, Krämpfen, Schmerzen, Unbehagen:
Je 2 EL Kamille, Zitronenmelisse und Katzenminze, je 1EL Fenchelsamen und Pfefferminze, locker und zerkleinert in ein Glas füllen, 2/3 mit Glycerin und 1/3 mit Wasser auffüllen, so, dass alle Pflanzenteile bedeckt sind und 4-6 Wochen warm ausziehen lassen, öfters schütteln. Erwachsene nehmen 30-60 Tropfen nach den Mahlzeiten oder nach Bedarf.

Alkohol Zubereitungen:

Sind am weitesten verbreitet und am häufigsten verwendet. Sie sind wirksam und halten lang. Sie werden als Einnahmen, Einreibungen, zu Globoli verarbeitet, Auflagen, Waschungen, Salben uva.. verwendet. Als Auszugsmaterial werden Korn, Wodka, Selbstgebrannter in verschiedenen %stärken genommen. Alkohol ist ein zuverläßliches Auszugsmaterial für Kräuterkundige, Nachteil kann sein, dass sie doch 4-6 Wochen Ausziehzeit brauchen, außer Sie haben einen Perkulator, damit geht es in einigen Stunden. Alkohollösliche Inhaltsstoffe sind Säuren, Alkaloide, Bitter – und Gerbstoffe, Flavonoide, Polysaccharide, Harze, einige Vitamine, Mineralien, äth. Öle und viele Spurenelemente, Schleim fällt aus. Frische Kräuter haben meist auch einen Wasseranteil, was heißt, auch die Wasserlöslichen Inhaltsstoffe sind in der Tinktur. Generell gilt, weiche Blätter und Blüten werden in 38-45% ausgezogen, härtere Teile wie Rinden, Zweige, Stängel ec… 60-70%, nur für Harze brauchen wir 90-96%igen Alkohol. Kräuter die gut in Alkohol zu extrahieren sind, sind Löwenzahn, Brennnessel, Fenchel, Ingwer, Pfefferminze, Baldrian, Weide, Schafgarbe, Cranberry, Blutwurz, Pfeffer, Flechten, Weihrauch uva….Alkoholtinkturen sind stärker als andere und werden in geringeren Dosen eingenommen, außerdem kommt es auch auf den Alkoholgehalt an, fragen Sie da immer einen Fachkundigen Experten. Es kommt auch auf das Alter und das zu behandelnde „Leiden“ an. Von alkoholischen Auszügen hat man mit der Zeit sehr viele und kann sie je nach Bedarf mischen, z.B.

eine bittere Frühlingszubereitung, die den Stoffwechsel in Schwung bringt und der Leber und Galle hilft, sie sollte 10Min. vor dem Essen eingenommen werden:
Man nimmt 5EL Löwenzahn,-je 3EL Engelwurz,-Brennnessel,-Mariendistel-, je 1EL Ingwer,-Curcuma – und Ringelblumentinktur, alles gut mischen und für eine Kur tägl. 3x 10 Tr. Vor den Mahlzeiten einnehmen.

Für ein gutes Gedächtnis:

4 Teile Rosmarin, 2 Teile Gingko, 2 Teile Hafer, 1 Teil Pfefferminze, 1 Teil Rosenwurzwurztinktur, 1 Teil Centella ( auch Gotu Cola oder Wassernabelkraut genannt) mischen und täglich 3 x 10-15 Tropfen einnehmen.
Für ein gesundes, starkes Herz und gute Stimmung: Je 1 Teil Weißdorn, Lindenblüten, Hafer, Tulsi (heiliges Basilikum), Herzgespann, Melisse.. Einnahme wie oben.
Für mich sind Tinkturen auch für meine Salben wichtig, die das ganze Jahr produziert werden und im Winter dann diese Tinkturen eingearbeitet werden.
Im nächsten Magazin schreiben wir über Essig, Öl und andere Auszugsmöglichkeiten.

 

 

 

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